Die IBM-Kompatible Hysterie

Der Ur-PC mit Intel 80086er ProzessorEs hatte sich Mitte der 80er Jahre klar gezeigt:
Wer seine Dateien von einem PC auf einen anderen kopieren wollte, der musste sich an IBM und Microsoft ausrichten. IBM sicherte mit seiner Hardware, dass die Datenspeicher kompatibel waren, Microsoft garantierte, dass der Dateityp lesbar und kopierbar war. Hier das Diskettenlaufwerk, dort das „Betriebssystem“ MS-DOS.

Das roch förmlich nach Flexibilität, die Commodore mit seinem C64 oder C128 nicht garantieren konnte. Der Durchbruch des sündhaft teuren IBM-kompatiblen PCs kam durch die Business-Welt, die Kompatibilität brauchte!

Mein Drucker mit Mäuseklavier

Doch selbst dieser Erfolg war ohne tiefschürfende Forschungsarbeit nicht zu erreichen gewesen. Denn mit großem Erschrecken musste ich nach den ersten Ausdrucken feststellen, dass in meinen Texten die Umlaute als [ ] oder | dargestellt wurden. War der Drucker defekt? Wo bekahm ich jetzt Hilfe her? Der Händler im Laden zuckte nur mit der Schulter und meinte, da müsse ich die DIP-Schalter richtig einstellen … ich so äh ach so ja Danke klar … und dann?
Falls Ihr jetzt denkt: ist doch einfach … einfach googeln … die Jungs gingen damals alle noch in die Grundschule …
Natürlich half mir wieder buf007, der mir erklärte: an den Druckern gibt es kleine Kippschalter, die musst du Dir ansehen. Die sitzen in einer Reihe meistens an der Rückseite oder Unterseite des Druckers und die kannnst du durch bestimmte Kombinationen (z. B. on-off-off-on-off-on-on-on oder on-on-on-off-off-off-off-off) dazu veranlassen, die richtige Papierlänge oder eben auch das deutsche Alphabet zu verwenden.

Mäuseklavier mit 8 Schaltern

Das war das Mäuseklavier. Seine Konfigurationsmöglichkeiten standen irgendwo gut versteckt in Handbuch und nach vielen Versuchen und langem hin und her war es geschafft: jetzt druckte er: hämisch, blöd, düsseldorf und ohne FLEI? kein Preiß

(Bild von http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:DIP_switches?uselang=de)

Mit heißer Nadel gedruckt

Leider weiß ich nicht mehr, welchen Drucker ich mir dann gekauft habe: Aber er hatte NLQ: das bedeutete, das Druckergebnis entsprach nahezu einer Brief-Qualität. Eine NLQ-gedruckte Seite hätte man fast als lieben Gruß an die Oma zum Geburtstag schicken können: es sah zwar nicht aus, als hätte man mit der eigenen Hand geschrieben, aber es sah auch nicht aus, als wär es aus dem Rechenzentum der Uni. – Und das war ja das erste Ziel – Keine Büroboten und keine Wartezeit von 7 Tagen!

Leider konnte mein Drucker keine Letter-Quality (LQ), das wäre zu teuer gewesen. Man kann sich das so vorstellen: Wenn ich meinem Textomat-Programm sagte: Print mal, dann kreischte der Drucker mit einem Affensound los und piekste durch ein schwarzes Textilband (ähnlich der alten Schreibmaschine) mit seinen Nadeln Punkte aufs Papier, die unser Gehirn zu Buchstaben zusammensetzte …

Die mittelmäßige Qualität und der Lärm waren das eine Problem – das Endlospapier das andere: wer wollte schon seinem Prof ein Referat auf Computer-Papier mit gelochtem Rand abgeben. Einen Einzug für Normalpapier gab es nicht und wenn man es schön machen wollte, musste man jedes Blatt einzeln einlegen. Bei meiner Doktorarbeit hab ich das dann ungefähr 400 mal gemacht … Der Fortschritt schien damals riesig und war eigentlich doch klein.

Mein Leben mit den Dinos

Tatsächlich war der C64 nicht mein erster Computer, dem ich begegnete: An der Uni hatten wir Golem, ein System mit dem wir philosophische Literatur für eine Indexierung aufbereiteten (wenn Ihr versteht was ich meine); es war eine Vorform von google,der die Wissenschaft schon in dern 70er Jahren auf der Spur war! Das ganze System bestand aus Siemens-Großrechnern: wenn man da druckte, erhielt man die Printouts eine Woche später durch den Büroboten aus dem Rechenzentrum der Uni.
Verglichen mit diesen Riesen-Dinos war mein C64 ein Riesenfortschritt – nur ein Drucker fehlte noch – denn einen Büroboten konnte ich mir nicht leisten!

Wie weiter mit dem 64er

Stumm sah mich der C64 an: READY

Da schaltete ich ihn und den flimmernden Fernseher ab und griff zum Telefon. Mein Bruder Buf007 war zum Glück zu Hause und erklärte mir das Rätsel. „Der Computer hat keinen Platz im ROM für Anwendungsprogramme! Entweder schreibst du die Programme im Arbeitsspeicher selbst mit Basic, oder du kaufst Dir eine Datasette!“ Ich so: „Hä? Was fürn Ding?“ Er dann: „Naja, da kannst Du Programme und Daten speichern, musst aber etwas Zeit mitbringen, denn das Teil ist etwas langsam. – Oder Du steckst da nochmal 200 Mark rein und kaufst Dir ein Floppylaufwerk VC 1541, das ist erheblich schneller. Außerdem kannst dann noch für 90 Mark ein Textprogramm dazukaufen.“ Aha, dachte ich, und dann kannste loslegen. – Naja, eigentlich hätte ich da schon die Finger von den Computern lassen sollen, aber dieses READY forderte mich heraus!

So spazierte ich wieder zum Computer-Shop und kaufte mir ein Floppylaufwerk, das genauso groß war wie mein 64er und farblich perfekt zu ihm passte. Fasst hätte man von Zwillingen sprechen können.

Jetzt also konnte die Zukunft anbrechen … vor 25  Jahren

My64er – Von der Hoffnung zur Arbeit

… Mein Erstaunen, dass auf dem Monitor nur ein READY stand und der Cursor blinkte, führte mich in meinen Gedanken zurück an ein Seminar an der Uni: da ging es darum, dass wir um 1980 einen Siemens-Rechner mit BS2000 und Golem als Retrievalsystem nutzten, um so etwas wie eine Suchmaschine zu basteln. Zum Seminar gehörte ein Praktikum, in dem der Umgang mit dem System zu üben war. Die Dozentin – eng angebunden – erklärte mir alles kurz und sagte dann: Ich muss jetzt mal weg, Sie können ja gleich mal loslegen und ein paar Datensätze eintragen. Bis dahin hatte ich auch alles verstanden: aber als Sie zur Tür raus war, war ich auf mich gestellt mit ein paar krakeligen Notizen. Es kam was kommen musste: irgendwas an meinen Notizen war falsch und ich dachte: no problem – fängste halt von vorne an!  Aber ich kam immer an die selbe Stelle – es ging nicht weiter. Immer die selbe Fehlermeldung! „Immer das selbe Programm, Menetekel“

Ich müsste jetzt eigentlich noch weiter zurück gehen, um meine Gefühle zu beschreiben … Aber es geht ja um meinen C46! Also der glubschte mich mit seinem flimmernden Bildschirm an und sagte:

Ja, so war das. Aber es gab natürlich eine Lösung! Mein Bruder Buf007.

Vor 25 Jahren: Mein erster Computer

war ein Commodore 64. Wochenlang hatte ich 1985 überlegt, ob ich so ein Ding brauche … aber mein jüngerer Bruder Buf konnte stundenlang begeistert erzählen, was er mit seiner Kiste schon so alles gemacht hatte. Er war auch so lieb und berechnete für mich Korrelationsfaktoren in Wahlstatistiken und zeigte mir, wie man mit Textomat umgeht. Das gab für mich den Ausschlag: Ich wollte nie mehr Tipp-Ex kaufen und vertrocknen sehen!

RAM, ROM, Basic, Floppy … das waren alles Fremwörter! Ich wollte meine Examensarbeit schreiben – ohne Tipp-Ex!

So latschte ich in einen Computerladen, schnappte mir eine C64-Kiste und ging zur Kasse: Ich glaube, fast 200 Mark habe ich hingeblättert – für einen Studenten war das mehr als ein Wochenbudget!

Zu Hause angekommen, räumte ich etwas Platz auf dem Schreibtisch frei, packte alles aus und steckte es zusammen. Als Monitor verwendete ich einen alten schwarz-weiß-Fernseher, den meine Eltern ausrangiert hatten. Und dann gings los!

Ich hatte nicht erwartet, was dann geschah!