MS-DOS und XENIX auf einem PC

Nun hatte ich also beruflich einen PC von einer Firma, die längst keine PCs mehr baut und der unter XENIX, einem Unix-Derivat lief. Nach Auskunft damaliger Insider, war das der absolute Trend. Und die Datenbank, die darauf lief, konnte strukturierte Informationen über Felder, aber auch Volltext verwalten. Insofern war es Mitte der 80er Jahre trendy. Mühsam lernte ich shell-Befehle, Pfade und Treiberdateien anpassen und so weiter.

Blöd war nur, dass der Rest der Welt um mich herum mehr und mehr mit IBM-kompatiblen PCs arbeitete und ich somit davon abgeschnitten war. Kollegen kamen und gaben mir MS-Word 3.0 Dateien, die ich weiter verarbeiten sollte. Kein Treffer!
Also erhielt ich die Möglichkeit durch meinen Chef, über eine Floppy-Disk, ein MS-DOS-Betriebssystem zu starten und darauf MS-Word zu starten. Heute würde man Dualboot sagen.

Damit war ein professionelles Datenbank-System und eine Schnittstelle zur weiteren Entwicklung vorhanden – der IBM-PC konnte mit seiner Doppelstrategie  seinen Siegeszug fortführen.

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Mein Abschied vom C64

Eigentlich hatte ich mir den C64 nur für die Abschlussarbeit an der Uni zugelegt. Dies dauerte leider längere Zeit (600 Seiten) und zwang mich bei meinem einmal gewählten System zu bleiben, da Kompatibilität damals noch ein unbezahlbarer Luxus war. Aber ich verfolgte schon den Aufstieg des IBM-PCs, den ich zum ersten mal bei einem operativen Eingriff in einer Zeitungsredaktion sah: er bekam eine Datex-P-Karte eingebaut, damit die Redakteuere per Datenfernübertragung (DFÜ) Informationen recherchieren konnten. In der Redaktion war das damals (1985) der einzige IBM-kompatible PC; der Rest bestand aus dummen Terminals – grüne Schrift auf schwarzem Grund mit hässlichen Datenbankformularen, die damals noch Masken genannt wurden.

Als ich dann wenig später meinen ersten festen Job übernahm, hatte ich die Aufgabe, eine Datenbank aufzubauen, und dafür einen IBM-kompatiblen PC mit 20 MB-Festplatte und Xenix-Betriebssystem zu nutzen. Kostenpunkt: 20.000 DM.

Zu Hause hatte ich noch den C64er, im Büro schon diesen neuen, kleinen Kraftzwerg. Da wurde mir klar: der Brotkasten mit seinem Diskettenlaufwerk, Monitor und Matrixdrucker musste weg!

Ich wollte in die Oberliga mit einem IBM-kompatiblen
Personalcomputer, mit MS-DOS und was weiß ich …
<– was mich da erwartete.

Glücklicherweise fand ich schnell Abnehmer für den ganzen 64er-Kram, dem ich erstaunlicherweise keine einzige Träne nachweinte.

Wie weiter mit dem 64er

Stumm sah mich der C64 an: READY

Da schaltete ich ihn und den flimmernden Fernseher ab und griff zum Telefon. Mein Bruder Buf007 war zum Glück zu Hause und erklärte mir das Rätsel. „Der Computer hat keinen Platz im ROM für Anwendungsprogramme! Entweder schreibst du die Programme im Arbeitsspeicher selbst mit Basic, oder du kaufst Dir eine Datasette!“ Ich so: „Hä? Was fürn Ding?“ Er dann: „Naja, da kannst Du Programme und Daten speichern, musst aber etwas Zeit mitbringen, denn das Teil ist etwas langsam. – Oder Du steckst da nochmal 200 Mark rein und kaufst Dir ein Floppylaufwerk VC 1541, das ist erheblich schneller. Außerdem kannst dann noch für 90 Mark ein Textprogramm dazukaufen.“ Aha, dachte ich, und dann kannste loslegen. – Naja, eigentlich hätte ich da schon die Finger von den Computern lassen sollen, aber dieses READY forderte mich heraus!

So spazierte ich wieder zum Computer-Shop und kaufte mir ein Floppylaufwerk, das genauso groß war wie mein 64er und farblich perfekt zu ihm passte. Fasst hätte man von Zwillingen sprechen können.

Jetzt also konnte die Zukunft anbrechen … vor 25  Jahren